Die Neutralisierung des schweizerischen Multilateralismus? Die Beziehungen der Schweiz zur UNO 1942 bis 2002

Universität Bern
HS2019
Übung (2-stündig)
Sacha Zala

Im «Zeitalters des Internationalismus», seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gehörte die Schweiz zu den aktivsten Promotoren des Multilateralismus. Die Gründung in Bern des Internationalen Telegraphenvereins 1865 oder des Weltpostvereins 1874, die zu den ersten internationalen Organisationen gehören, veranschaulicht den Erfolg der Schweiz auf diesem Gebiet. Nicht zuletzt aufgrund dieses multilateralen Aktivismus gelang es der Schweiz 1919, den Sitz des Völkerbunds in Genf zu etablieren und somit ihre Rolle als Förderin des Multilateralismus weltweit zu festigen. Es erstaunt daher, dass der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg die Integration in die neue Weltordnung unter der Vereinten Nationen (UNO) misslang. In den «One World»-Konzeptionen von 1945 gehörten die Neutralen zu den «Schurkenstaaten» und wurden von der Teilnahme an der UNO-Gründungskonferenz in San Francisco folgerichtig ausgeschlossen. Dem neutralen Schweden gelang aber bereits 1946 die Integration in die UNO, während der UNO-Beitritt der Schweiz 1986 noch von 75 Prozent des Stimmvolks abgelehnt wurde. Erst im zweiten Anlauf, im Jahre 2002, trat die Schweiz der UNO bei.

Im Kurs werden Gründe und Motive dieser Abkehr der Schweiz vom Multilateralismus eingehend untersucht. Ziel des Kurses ist die Analyse der Grundzüge und Leitlinien der Beziehungen der Schweiz zu den Vereinten Nationen bis zu ihrem Eintritt. Die Lehrveranstaltung richtet sich an fortgeschrittene Studierende, die beabsichtigen, eigene Forschungen im Schweizerischen Bundesarchiv durchzuführen. Sie eignet sich daher auch besonders für Studierende, die planen, eine Qualifikationsarbeit in Angriff zu nehmen. Nebst einer vertieften Einführung in die Strategien zur Erforschung von Archivbeständen werden die Edition der Diplomatischen Dokumente der Schweiz (DDS) und die Forschungsdatenbank Dodis (www.dodis.ch) eingehend erläutert und angewendet. Die Lehrveranstaltung ist eng gekoppelt an die Forschungsarbeiten der Forschungsstelle Diplomatische Dokumente der Schweiz. Das Ziel der Veranstaltung besteht darin, eine Selektion von Dokumenten aus den relevanten Beständen des Bundesarchivs zu erstellen, welche einen Überblick über die Geschichte der Beziehungen der Schweiz zur UNO von 1942 bis 2002 liefert. Die anhand des Aktenstudiums ausgewählten Dokumente sollen die wichtigsten Ereignisse und zentralen Aspekte abdecken und schliesslich auf der Datenbank Dodis veröffentlicht werden können. Die Forschungsarbeiten werden unter Anleitung durchgeführt, dennoch erfordert die Teilnahme am Kurs ein hohes Mass an Selbstständigkeit und Leistungsbereitschaft.