e-Dossier: Die Schweiz und die Kubakrise

Skizze des Schweizer Nachrichtendienstes: Reichweiten sowjetischer Raketen

Die Welt hielt den Atem an: Als im Oktober 1962 die Sowjetunion auf Kuba Abschussrampen für Mittelstreckenraketen baute, die Washington hätten erreichen können, und die USA auf offenen Konfrontationskurs gingen, drohte ein dritter, ein nuklearer, Weltkrieg auszubrechen.

Ein Nuklearkrieg, von dem auch die Schweiz nicht verschont würde

Zwar wolle keine der beiden Seiten den Krieg. Durch den Machtpoker zwischen US-Präsident John F. Kennedy und dem sowjetischen Parteichef Nikita Chruschtschow seien jedoch die «Risiken eines ‹Kriegs durch Zufall› spürbar erhöht», schlussfolgerte der Nachrichtendienst der Schweizer Armee (dodis.ch/30211, Original französisch). «Die Lage ist so ernst», vertraute seinerseits US-Aussenminister Dean Rusk dem schweizerischen Botschafter in Washington, August R. Lindt, an, «dass auch Ihr Land in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.» (dodis.ch/19007)

Schlüsselrolle der Schweizer Diplomaten

Die Schweizer Diplomatie nahm in dieser angespannten Situation eine brisante Schlüsselstellung ein: Seit 1961 vertrat nämlich die schweizerische Botschaft in Havanna die Interessen der USA gegenüber dem kommunistischen Kuba – und tut dies bis heute (dodis.ch/15005). Tatsächlich baten die USA den schweizerischen Botschafter in Havanna, Emil Stadelhofer, auch um Vermittlung beim kubanischen Staatschef Fidel Castro. Gelöst wurde der Konflikt schliesslich direkt zwischen Washington und Moskau. Stadelhofer organisierte jedoch die Rückführung der Leiche von Rudolf Anderson (dodis.ch/30382). Der Pilot eines Aufklärungsflugzeugs der US Air Force, der über Kuba abgeschossen worden war, blieb das einzige Todesopfer einer Krise, die vor 50 Jahren zum Nuklearkrieg zu eskalieren drohte.

Wertvolle Zeugnisse zum Ost-West-Konflikt

Die Permalinks verweisen auf die zitierten Originaldokumente aus dem Schweizerischen Bundesarchiv, die als pdf-Faksimile auf Dodis online zugänglich sind. Der Kalte Krieg war durch die direkte Konfrontation zwischen den Supermächten in der Kubakrise in seine «heisseste Phase» getreten. Die Berichte der Schweizer Diplomaten, die durch die Interessensvertretung in Kuba einen direkten Draht zu den USA hatten, sind wertvolle Zeugnisse für den Nachvollzug der Ereignisse im Brennpunkt der Auseinandersetzung zwischen Ost und West.